Produktion im Biorhythmus: Clevere Belegungsplanung steigert die Qualität

Pressemitteilung – Hannover, 13.04.2015
Volle Konzentration am Vormittag, Leistungstief am Nachmittag: Wenn Unternehmen die natürlichen Leistungsschwankungen ihrer Mitarbeiter in der Produktion berücksichtigen, müssen sie weniger Fehler ausbessern und produzieren weniger Ausschuss. Das spart Kosten, sorgt für zufriedenere Kunden und gleichzeitig für ausgeglichenere Mitarbeiter. Wissenschaftler des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) wollen jetzt einen Algorithmus entwickeln, der die Auftragsreihenfolge entsprechend festlegt: Komplizierte Aufträge sollen dann abgearbeitet werden, wenn die Mitarbeiter besonders konzentriert sind, während einfache Arbeiten in den Leistungstiefs erledigt werden können.

Jeder Mensch macht Fehler – doch für produzierende Unternehmen wird es schnell teuer, wenn Bauteile verkehrt herum in die Maschine eingelegt, schief gebohrt oder ungenau verschweißt werden. Die fehlerhaften Teile müssen dann nachbearbeitet oder als Ausschuss entsorgt werden. Vermeiden können Unternehmen diese Kosten zumindest teilweise, wenn sie schon bei der Auftragsplanung einkalkulieren, dass ihre Mitarbeiter nicht zu jeder Tageszeit gleich sorgfältig arbeiten.

Im Forschungsprojekt „Qualitätsorientierte Belegungsplanung (QualiBel)“ wollen Wissenschaftler aus Hannover zunächst eine Methode entwickeln, um eine sogenannte Leistungskurve zu erstellen und herauszufinden, wie die Leistung der Mitarbeiter im Verlauf einer Schicht schwankt. Rückschlüsse auf einzelne Personen sind dabei nur möglich, wenn diese ausdrücklich zustimmen.

Darüber hinaus klassifizieren die Forscher Produktionsaufträge nach ihrer Komplexität und untersuchen, welche Fehlerkosten den Firmen bei falscher Bearbeitung entstehen. Anschließend wollen sie einen Algorithmus entwickeln, der die Auftragsreihenfolge festlegt – und zwar so, dass komplexe, fehleranfällige Aufträge in Leistungshochs und einfache Arbeiten in Leistungstiefs erledigt werden. Das nützt nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Angestellten, die sich dadurch seltener unter- oder überfordert fühlen.

Bisher legen Produktionsplaner die Auftragsreihenfolge so fest, dass die Maschinen und Mitarbeiter möglichst gut ausgelastet werden, die Lieferzeiten kurz und die Lagerbestände niedrig sind. „Diese logistischen Zielgrößen werden in dem Algorithmus natürlich weiterhin Beachtung finden“, sagt Philip Rochow vom IPH, der das Forschungsprojekt leitet. „Zusätzlich soll unser Algorithmus aber die Reihenfolge so optimieren, dass möglichst geringe Fehlerkosten entstehen. Dafür kann es manchmal schon ausreichen, zwei aufeinanderfolgende Aufträge zu tauschen.“

Im Forschungsprojekt arbeitet das IPH eng mit der Industrie zusammen. Zum projektbegleitenden Ausschuss gehören bisher fünf Firmen, drei davon aus dem Werkzeug- und Formenbau. Bei den Projektpartnern wollen die Wissenschaftler zunächst die Leistungsschwankungen erforschen und später ihre Methode zur qualitätsorientierten Belegungsplanung im Praxistest überprüfen.

Auch weitere Unternehmen können sich noch am Projekt beteiligen: Das Kick-Off-Treffen findet am Mittwoch, 22. April 2015, ab 10.30 Uhr im IPH statt, die Adresse lautet Hollerithallee 6, 30419 Hannover. Anmeldungen nimmt Philip Rochow unter der Telefonnummer 0511/27976-443 oder per E-Mail an rochow@iph-hannover.de entgegen. 

Fotos zur Pressemitteilung

Qualitätsorientierte Belegungsplanung
Schon bei der Auftragsplanung sollten Unternehmen beachten, wann ihre Mitarbeiter besonders leistungsfähig sind. Forscher des IPH entwickeln derzeit eine Methode dazu.
(Quelle: Johannes Stein / IPH)
Stimmt die Qualität?
Mit einer cleveren Belegungsplanung können Unternehmen Produktionsfehler vermeiden und die Kosten senken.
(Quelle: Johannes Stein / IPH)

Ihr Pressekontakt

Judith Kebbe
M. A.

Referentin für Public Relations und Marketing

Ihr Ansprechpartner

Christian Böning
Dipl.-Wirtsch.-Ing.

Abteilungsleiter Logistik