Lean Management

  1. Definition des Lean Managements
  2. Herausforderungen für das Lean Management
  3. Grundlagen des Lean Managements
  4. Ziele, Anwendung und Vorteile des Lean Managements
  5. Grenzen des Lean Managements
  6. Prinzipien des Lean Managements
  7. Umsetzung und Erfolgsfaktoren des Lean Managements

Definition des Lean Managements

Lean Management bedeutet „schlankes Management" und ist ein Ansatz zur kontinuierlichen Prozessoptimierung, wodurch die gesamte Wertschöpfungskette effektiv und effizient gestaltet wird. Dabei fokussiert sich das Lean Management auf die Kundenorientierung und die Kostenreduzierung, indem Verschwendung im Unternehmen eliminiert wird. Durch ein schlankes Management können Probleme gelöst werden, wie beispielsweise

  • zu hohe Lagerbestände,
  • mangelhafte Lieferzeiten und Produktqualität,
  • zu hoher Ausschuss
  • Fehler in der Produktion und
  • eine geringe Kundenzufriedenheit.

Herausforderungen für das Lean Management

Die Globalisierung und die damit verbundene weltweite Vernetzung schaffen einen hohen Kosten- und Wettbewerbsdruck bei Unternehmen. Ebenfalls steigen die individuellen Kundenanforderungen in den Bereichen Qualität, Service und Verfügbarkeit, wodurch das Geschehen in Unternehmen mit den Produktvarianten komplexer wird und gleichzeitig flexibel sein muss. Zudem verändern sich die Produktionsprozesse schneller aufgrund kürzerer Produktlebenszyklen und Nutzungsdauern. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, ist eine gute Wettbewerbsfähigkeit unabdingbar, die durch effektives und gleichzeitig effizientes Handeln mittels des Lean Managements möglich gemacht wird.

Grundlagen des Lean Managements

Das Lean Management stellt keine Methode, sondern eine Unternehmensphilosophie dar, die durch die Gesamtheit an Denkprinzipien, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der kompletten Wertschöpfungskette industrieller Güter führt. Dabei kann die Philosophie in allen Unternehmensbereichen angewendet werden, z.B.

  • in der Verwaltung (Lean Administration),
  • in der Produktion (Lean Production),
  • in der Instandhaltung (Lean Maintenance) und
  • in der Logistik (Lean Logistics).

Zentrale Aspekte des Lean Managements sind die Kundenorientierung und die Kostensenkung. Mittels der Kundenorientierung sollen das Angebot sowie die Prozesse auf den Kunden ausgerichtet werden und ihn ins Zentrum des Unternehmens stellen. Jede Tätigkeit muss einen Nutzen für den Kunden darstellen und seine Bedürfnisse erfüllen, wodurch die Kundenzufriedenheit steigt. Bringt eine Tätigkeit keinen Nutzen, soll sie entfernt werden. Dies schließt an den zweiten Aspekt der Kostensenkung an, der die Vermeidung von Verschwendung beinhaltet. Die Prozesse sollen beispielsweise perfekt ineinandergreifen, Ressourcen wirtschaftlich einsetzen und durch eine flache Hierarchie den Aufwand der Verwaltung reduzieren.

Ziele, Anwendung und Vorteile des Lean Managements

Die Ziele des Lean Managements sind

  • die Harmonisierung und Ablaufoptimierung der Prozesse über alle Unternehmensbereiche, um ein ganzheitliches System zu schaffen, das keinerlei Verschwendung beinhaltet und
  • die Erreichung einer 100-prozentigen Kundenzufriedenheit bei möglichst geringen Kosten. Das heißt mit einem minimalen Einsatz an Personal, Zeit und Investition soll der maximale Wert für das Geld des Kunden entstehen.

Die Anwendung des Lean Managements schafft nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Unternehmen weitere Vorteile. Für den Kunden ergibt sich neben der Orientierung an seinen Wünschen und Bedürfnissen auch die Möglichkeit günstigerer Preise bei Produkten, weil Verschwendungen reduziert oder ganz aus den Prozessen entfernt werden. Vorteile für das Unternehmen zeichnen sich z.B. durch

  • die Verbesserung des Supply Chain Managements,
  • die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit oder
  • Kostenersparnisse in verschiedenen Bereichen

aus.

Ebenfalls können durch flache Hierarchien und den Abbau von Verwaltungsstrukturen eine bessere Kommunikation sowie schnellere Entscheidungen und damit eine höhere Reaktionsfähigkeit geschaffen werden.

Grenzen des Lean Managements

Jedoch gelangt die Anwendung des Lean Managements an seine Grenzen, wenn Widerstände entstehen und der beschriebene Ansatz als Methode und nicht als Philosophie angesehen wird. Eine Unternehmensphilosophie bedeutet, dass alle Mitarbeiter, das heißt sowohl das Management als auch die Belegschaft, den Sinn und die Ziele verstehen, diese mittragen und in die Unternehmenskultur einfließen lassen. Widerstände der Belegschaft können zum Beispiel bei der Veränderung von Prozessen oder Zuständigkeiten auftreten. Auch funktioniert Lean Management nicht, wenn die Ideen nicht konsequent durch das Management vertreten werden oder diese eine zu schnelle Umsetzung verlangen, wodurch Probleme bei Prozessen auftreten können oder Mitarbeiter durch die verschiedenen Methoden verwirrt werden.

Prinzipien des Lean Managements

Der Kern des Lean Managements kann durch die folgenden fünf Prinzipien beschrieben werden (siehe Abbildung 1).

5 Prinzipien des Lean Managements

Abbildung 1: Die fünf Prinzipien des Lean Managements

1. Definition des Wertes aus Kundensicht

Das Lean Management setzt am Ende der Prozesskette an, da die Anforderungen und die Wertschätzung des Kunden im Unternehmen an erster Stelle stehen. Dabei muss der Wert des Produktes oder der Dienstleistung aus Sicht des Kunden identifiziert, beschrieben und definiert werden. Dahingehend wird berücksichtigt, was und wann produziert werden soll, um die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden erfüllen zu können. Dadurch werden die hergestellten Produkte oder Dienstleistungen auf den Kunden zugeschnitten, entsprechen höchster Qualität und einem angemessenen Preis. Eine grobe Betrachtung des Wertes aus Kundensicht ist durch die Beantwortung der drei folgenden Fragen möglich:

  • Was braucht der Kunde wirklich?
  • Was schätzt der Kunde?
  • Wofür ist der Kunde am Ende bereit, zu bezahlen?

 

2. Identifikation des Wertstroms

Bei der Identifikation des Wertstroms werden alle Prozesse, Aktivitäten, Abläufe und Schritte zur Herstellung des Produktes betrachtet. Diese umfassen das gesamte Netzwerk des Unternehmens, das heißt nicht nur die interne Supply Chain, sondern ebenfalls die Externe samt Lieferanten usw. Durch die Fokussierung auf den Wertschöpfungsprozess und die Ausrichtung auf den Kunden kann unnötiger Aufwand entdeckt und die Ressourcen effizient eingesetzt werden.


3. Umsetzung des Fluss-Prinzips

Lean bedeutet, dass der Wertschöpfungsprozess ohne Unterbrechungen, wie beispielsweise die Lagerung von Zwischen- oder Endprodukten, stattfindet. Die Umsetzung des Fluss-Prinzips ist schwierigster Teil des Lean Managements, da in Unternehmen häufig stapelweise beziehungsweise in Losgrößen gearbeitet wird. Ebenfalls entstehen Unterbrechungen häufig durch die Organisation, wodurch lokale Optimierungspotenziale bestehen und Aufwand beziehungsweise Verschwendung vermieden werden kann. Bei dem Gestaltungsprinzip des Flusses soll die Produktion entlang des Wertstroms kontinuierlich und geglättet fließen, wodurch eine Basis für eine flexible, kundenorientierte sowie effiziente Steuerung der Fertigung ermöglicht wird.


4. Einführung des Pull-Prinzips

Aufgrund der Kundenausrichtung und der Umsetzung des Fluss-Prinzips ist eine Produktion erst notwendig, wenn der Kunde bestellt oder ein Minimum an Beständen erreicht ist. Daraus folgt, dass der Kunde den Beginn des Wertstroms anstößt und das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung durch die Prozesse zu sich „zieht" (Pull). Demzufolge wird deutlich, dass die Produktion der Produkte nicht durch Planungsvorgaben oder Produktionsziele begonnen und durch die Prozesse zum Kunden „gedrückt" werden (Push). Durch die Einführung des Pull-Prinzips kann die Lagerung von Produkten und damit verbundenen Such- und Transportvorgänge vermieden und auf Kundenbedürfnisse reagiert werden.


5. Streben nach Perfektion

Mittels des letzten Prinzips soll die Perfektion des gesamten Systems angestrebt werden, wodurch sich ergibt, dass das Lean Management eine Daueraufgabe darstellt, da bei Fluss- und Pull-Prinzip immer Verbesserungspotenziale aufgedeckt werden können. Folglich wird durch das Lean Management eine kontinuierliche Verbesserung angestrebt. Damit dies gewährleistet werden kann, ist hier erneut der Punkt der Unternehmensphilosophie zu nennen. Die Mitarbeiter des Unternehmens sollen selbstständig Abläufe hinterfragen und Verbesserungsideen einbringen, da sie durch die tägliche Arbeit die Prozesse am besten kennen und Potenziale feststellen können.

Umsetzung und Erfolgsfaktoren des Lean Managements

Die Prinzipien des Lean Managements geben dem Unternehmen eine Richtung vor, jedoch keine genaue „Wegbeschreibung". Jedes Unternehmen hat andere Problempunkte und verfolgt den Ansatz des Lean Managements individuell zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit. Daher wird im Folgenden beschrieben, worauf bei erfolgreicher Umsetzung des Lean Managements geachtet werden muss.

Von großer Bedeutung bei der Umsetzung des Lean-Gedankens ist ein überzeugtes Management, das ein nachhaltiges Lean Management verfolgt. Die Implementierung beginnt bei den Mitarbeitern, indem sie den Lean-Gedanken verinnerlichen und mittragen sowie ihre Einstellung gegenüber Fehlern, Problemen und den Kundenbedürfnissen anpassen. Ebenfalls müssen die operativen Ziele auf Vereinbarkeit mit den Zielen des Lean Managements geprüft und gegebenenfalls harmonisiert werden. Darauffolgend ist eine Ist-Analyse durchzuführen und nach Feststellung von Verschwendungen eine Definition des Soll-Zustandes zu verfassen. Es ist ratsam, zunächst mit einem Pilotprojekt zu starten, um Mitarbeiter vom Nutzen zu überzeugen und für weitere Veränderungen zu motivieren. Ebenfalls sind Korrekturen möglich, bevor eine Implementierung im gesamten Unternehmen durchgeführt wird.

Da das Lean Management ein radikales Umdenken erfordert, ist es sinnvoll einen Experten einzubeziehen, weil dieser über praktische Erfahrungen über die Implementierung verfügt, mögliche Schwierigkeiten kennt und beim Prozess unterstützen kann. Ein solcher Dienstleister im Bereich Lean Management ist das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gGmbH. In Zusammenarbeit mit dem IPH kann der Ansatz des Lean Managements verfolgt werden, der individuell zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Kunden passt und den oben beschriebenen Ablauf widerspiegelt. Weitere Informationen zur Beratung und Dienstleistungen im Bereich Lean Management finden Sie hier .

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