Wirtschaftlichkeitsberechnung

  1. Grundlagen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
  2. Methoden und Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung
  3. Vorgehen bei einer Wirtschaftlichkeitsberechnung am Beispiel der Kostenvergleichsrechnung
  4. Umsetzung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in der Produktionstechnik

Grundlagen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Unter Wirtschaftlichkeit kann das Verhältnis von Kosten verschiedener Auswahlmöglichkeiten oder auch die Senkung von Kosten einer einzigen Möglichkeit beim selben Output verstanden werden. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ergibt sich aus dem Quotienten von Ertrag und Aufwand und bildet somit das Verhältnis zwischen Output und Input. Eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit kann beispielsweise über die Senkung des Inputs bei gleichem Output durch zum Beispiel technische Optimierungen erreicht werden. Dabei wird zwischen der absoluten und relativen Wirtschaftlichkeit unterschieden. Von absoluter Wirtschaftlichkeit wird gesprochen, wenn die generierten Erträge die entstandenen Kosten übersteigen. Unter relativer Wirtschaftlichkeit kann ein Kostenvergleich zwischen zwei verschiedenen Varianten verstanden werden. Die Grundvorrausetzung ist hierbei, dass beide Varianten denselben Ertrag erwirtschaften.

Methoden und Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung liefert Klarheit bei Problemstellungen, wie der Bestimmung der optimalen Produktionslosgröße und der Bewertung von betrieblichen Abläufen und Fertigungsprozessen in der Produktion. Die Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung lassen sich in dynamische und statische Verfahren einteilen. Die unternehmensspezifische Situation und die gewählte Zielsetzung bestimmt sowohl die Art als auch die Anzahl der anzuwendenden Wirtschaftlichkeitsverfahren. Der Zeitbezug von Kosten und Erträgen wird bei den dynamischen Wirtschaftlichkeitsverfahren im Gegensatz zu den statischen Wirtschaftlichkeitsverfahren berücksichtigt. Bei der wirtschaftlichen Optimierung von fertigungstechnischen Prozessen kommen in erster Linie die statischen Berechnungsverfahren Gewinnvergleichsrechnung, Kostenvergleichsrechnung und Amortisationsrechnung zum Einsatz.

Methoden der Wirtschaftlichkeitsberechnung

Bild 1: Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung

Bei der Kostenvergleichsrechnung werden die Kosten zweier Varianten miteinander verglichen, wodurch Aussagen über die relative Wirtschaftlichkeit dieser Varianten getroffen werden können. Die Kostenvergleichsrechnung kann im Sinne des Wahl- und Ersatzproblems bei dem wirtschaftlichen Vergleich unterschiedlicher potenzieller Beschaffungen bzw. Investitionen angewendet wer-den. Im Fall des Wahlproblems werden die Kosten der in Frage kommenden Auswahlmöglichkeiten gegenübergestellt, wobei zum Auswahlzeitpunkt noch keine dieser Möglichkeiten verwirklicht wur-de. Beim Ersatzproblem hingegen werden die Kosten der vorhanden Variante mit den Kosten der möglichen neuen Variante verglichen, wodurch der Variantenersatz bspw. durch eine Variation von Fertigungsverfahren bestärkt oder gegebenenfalls verworfen werden kann. Werden innerhalb der Kostenvergleichsrechnung zwei Varianten mit verschiedenem Leistungsvermögen gegenübergestellt, müssen die Kosten bezogen auf eine Leistungseinheit betrachtet werden. Bei geringem Aufwand eignet sich die Kostenvergleichsrechnung bei der Anschaffung neuer Produktionsanlagen, Bearbeitungszentren oder auch bei der Auswahl zwischen Fertigungsverfahren für die Herstellung expliziter Produkte und ermöglicht damit eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Prozessen und Anlagen. In der Gewinnvergleichsrechnung wird der aktuelle und der potenzielle Gewinn von Investitionen miteinander verglichen. Die Amortisationsrechnung bedient sich direkt den Ergebnissen der Gewinn- oder Kostenvergleichsrechnung und zielt auf die Bestimmung der Zeitspanne ab, innerhalb der die Erträge die verursachten Kosten einer Investition ausgleichen. Diese Zeitspanne beschreibt die Amortisationszeit, welche aus wirtschaftlicher Betrachtung stets geringer als die Nutzungsdauer einer bestimmten Investition sein sollte.

Vorgehen bei einer Wirtschaftlichkeitsberechnung am Beispiel der Kostenvergleichsrechnung

Bei der Kostenvergleichrechnung werden die Kosten der in Frage kommenden Auswahlmöglichkeiten gegenübergestellt. Besteht bereits eine solche Anlage auf dem Shopfloor, werden deren Kosten mit den Kosten der möglichen neuen Produktionsanlage verglichen, wodurch der Anlagenersatz bestärkt oder ggf. verworfen werden kann. Weisen hierbei die Produktionsanlagen ein verschiedenes Leistungsvermögen auf, müssen die Kosten bezogen auf eine Leistungseinheit betrachtet werden. Am besten eignet sich dafür die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Sinne des Vergleichs der Herstellkosten der einzelnen Leistungseinheiten. Die Herstellkosten der Produkte in der Produktion und Logistik ergeben sich aus der Kostenrechnung, welche sich in die Teilbereiche der Kostenarten- , Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung unterteilt. In der Kostenartenrechnung wird die Frage beantwortet, was für Kosten entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung identifiziert daraufhin den Ort oder Bereich im Unternehmen an denen die Kosten verursacht wurden. Letztlich erfasst die Kostenträgerrechnung alle Kosten, die sich für die Herstellung und den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen ergeben haben.

Die für die Wirtschaftlichkeitsberechnung in Produktionstechnik wichtigen Herstellkosten der Leistungseinheiten setzten sich aus den Material- und Fertigungskosten zusammen. Diese ergeben sich wiederum aus den Materialeinzel- und Materialgemeinkosten bzw. Fertigungseinzel- und Fertigungsgemeinkosten und den Sondereinzelkosten der Fertigung. Die Fertigungsmaterialkosten zäh-len zu den Materialeinzelkosten und haben einen hohen Einfluss auf die Höhe der Herstellkosten eines Produktes. Durch eine Optimierung des bestehenden Prozesses oder die Auswahl alternativer Fertigungsverfahren, lassen sich diese Kosten bspw. durch die Reduzierung von überschüssi-gen Materials reduzieren. Hilfsstoffkosten werden unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit den Materialgemeinkosten oder den Fertigungsgemeinkosten zugerechnet. Zu den Hilfsstoffen zählen bspw. Schrauben, Verbrauchs- und Verpackungsmaterial oder auch Reinigungsmittel. Betriebsstoffe wie bspw. Schmier- oder Kühlmittel zählen zu den Materialgemeinkosten. Unter den Fertigungseinzelkosten werden die Fertigungslöhne gefasst, welche aus dem Produkt von Fertigungszeiten und Lohnsätzen berechnet werden. Durch eine Erhöhung der Automatisierung oder Simplifizierung der Prozesse kann bspw. die Effizienz der Mitarbeiter erhöht und eine wirtschaftliche Optimierung umgesetzt werden. Zu den Sondereinzelkosten zählen bspw. Spezialwerkzeuge in der Produktion und Logistik. Beispielhaft für Fertigungsgemeinkosten sind die Arbeitsvorbereitungs- und Fertigungssteuerungskosten in Bild 2.

Herstellkosten in der Produktion

Bild 2: Herstellkosten in der Produktionstechnik

Umsetzung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in der Produktionstechnik

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Wirtschaftlichkeitsberechnung ist die Identifikation und korrekte Interpretation, der unternehmensspezifischen relevanten Daten und Informationen. Die Genauigkeit der Identifikation dieser Daten bestimmt den Erfolg der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und damit die Höhe der Kosteneinsparungspotentiale, die sich für den Kunden ergeben. Die Spannweite beginnt bei einer objektiven Nutzwertanalyse, die lediglich eine Machbarkeitsstudie und grobe Kostenkalkulation auf fachliterarischen Vergleichswerten bis hin zur detaillierten wirtschaftlichen Analyse unter Berücksichtigung von unternehmensinternen Statistiken und alternativen Fertigungsverfahren basierend auf den Informationen von zugehörigen Technologieführern. Die Grenzen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung werden klar durch die Qualität der Daten und unternehmensspezifischen Informationen bestimmt, die während der Durchführung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erhoben werden. Gerade hierfür kann es von Vorteil sein einen externen Berater zu engagieren, der das entsprechende Know-how und die Mediationskompetenz mitbringt, um die benötigten Daten spezifischer Prozesse effizient und effektiv zusammenzustellen, zu analysieren und zu interpretieren.

Das Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH (IPH) berät als Dienstleister bei der Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen von Prozessen und Anlagen in der Produktionstechnik und hilft auf diese Weise die Vorteile und Einsparungspotentiale bezogen auf den unterneh-mensspezifischen Bedarf zu erschließen. Unabhängig davon, ob Sie eine Beratung zu den einzel-nen wirtschaftlichen Potenzialen von Prozessen (bspw. Materialeffizienz) und Anlagen oder auch eine komplexe Dienstleistung bezüglich einer Wirtschaftlichkeitsberechnungen benötigen, liefert das IPH eine kompetente Unterstützung.

Unsere Angebote

Sie benötigen Beratung zum Thema Wirtschaftlichkeitsberechnung? Das IPH unterstützt Sie gern bei der Optimierung Ihrer Fertigung. Weitere Informationen zu unseren Angeboten, Beratungsdienstleistungen und unserer Expertise erhalten Sie hier:

Ihre Ansprechpartnerin

Mareile Kriwall
Dipl.-Ing.

Abteilungsleiterin Prozesstechnik