Wissen, was die niedersächsische Wirtschaft in Zukunft bewegt: Dafür braucht Dr.-Ing. Malte Stonis ein besonderes Gespür. Seit genau 10 Jahren leitet er eine Forschungseinrichtung, die bereits heute erforscht, was erst in einigen Jahren in der Industrie ankommen wird. Als Koordinierender Geschäftsführer des IPH ist er nicht nur für das Tagesgeschäft verantwortlich, sondern gestaltet gemeinsam mit den Gesellschaftern auch die strategische Ausrichtung maßgeblich.
Digitalisierung der Industrie von CIM bis KI
Die Digitalisierung der Industrie voranzutreiben ist Kernaufgabe des IPH seit dessen Gründung 1988. Damals lautete das Schlagwort „Computer Integrated Manufacturing“ (CIM), später „Industrie 4.0“, heute ist Künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde. Mit zahlreichen Forschungs- und Beratungsprojekten unterstützt das IPH Unternehmen dabei, Daten zu nutzen, um effizienter zu produzieren. Und bereits Jahre vor dem Durchbruch von ChatGPT rief Stonis die AG KI ins Leben: In dieser Arbeitsgruppe können sich die IPH-Mitarbeitenden darüber austauschen, wie sie KI nutzen, und voneinander lernen.
Auch die IPH-internen Prozesse hat Stonis digitalisieren lassen. In seiner Anfangszeit als Koordinierender Geschäftsführer gab es noch für fast jede Aufgabe ein Papierformular, vom Dienstreiseantrag bis zur Genehmigung von Beschaffungen. Stonis trieb die Umstellung auf digitale Freigabeprozesse und die Entwicklung von unternehmensinternen Apps voran. Das zahlte sich spätestens 2020 unerwartet aus: Im ersten Corona-Lockdown konnten fast alle IPH-Mitarbeitenden von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice wechseln und ihre Aufgaben problemlos fortführen.
Nachhaltigkeit: 3D-Druck trifft Kunststoffrecycling
Unter Stonis’ Leitung wurde am IPH zudem der Forschungsbereich für Additive Fertigung geplant, aufgebaut und 2021 offiziell eröffnet. Ein niedersächsisches Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie 3D-Druck und Nachhaltigkeit zusammenpassen: In diesem modernen Labor wird erforscht, wie Abfälle aus Thermoplasten entlang einer vollständigen Prozesskette zerkleinert, eingeschmolzen und mittels Additiver Fertigung zu neuen Produkten verarbeitet werden können. Der Forschungsbereich wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut. Neueste 3D-Drucker ermöglichen es, Fragestellungen aus dem produzierenden Mittelstand mit geringem Aufwand zu beantworten.
Weil Nachhaltigkeit Stonis besonders am Herzen liegt, investierte das IPH unter seiner Geschäftsführung in eine smarte Heizungssteuerung, eine Solaranlage auf dem Dach und die naturnahe Umgestaltung des Außengeländes. Seit Herbst 2019 beteiligt sich das IPH an ÖKOPROFIT Hannover und hat inzwischen mehrfach Auszeichnungen für Nachhaltigkeit erhalten.
Transfer: Von der Wissenschaft in die Wirtschaft
„Was das IPH erforscht, soll nicht in einer Schublade verschwinden, sondern tatsächlich in der Industrie ankommen und den niedersächsischen Unternehmen nützen“, so Stonis. Aus diesem Grund ist ihm der Transfer so wichtig. Dazu gehören unter anderem Weiterbildungsangebote für Unternehmen – von der Fabrikplanung bis zur KI – sowie die Wissenschaftskommunikation, beispielsweise auf Social Media. Darüber hinaus unterstützt Stonis die Gründung technikbasierter Start-ups, die Ideen aus der Forschung in die Anwendung bringen. Auch die Vernetzung mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen spielt für Stonis eine große Rolle – nicht erst, seit er Geschäftsführer ist. In der ZUSE-Gemeinschaft, die die Interessen gemeinnütziger, privatwirtschaftlich organisierter Forschungseinrichtungen vertritt, engagiert er sich bereits seit deren Gründung im Jahr 2015.
Um Erkenntnisse aus der Forschung in die niedersächsische Wirtschaft zu bringen, bietet das IPH nicht nur Auftragsforschung und Beratung an, sondern setzt sich auch dafür ein, dass Unternehmen dafür eine Finanzierung erhalten, etwa über die Forschungszulage oder regionale Förderprogramme. „Bei allem, was wir tun, haben wir ganz besonders die kleinen und mittleren Unternehmen in Niedersachsen im Blick“, so Stonis. „Diese haben in der Regel weder das Personal noch die finanziellen Mittel, um selbst zu forschen und zu entwickeln. Diese Lücke füllen wir am IPH.“
Immer am Bedarf des Mittelstands orientiert prägt Stonis seit einem Jahrzehnt die Ausrichtung des IPH. Ans Aufhören denkt er noch nicht: „Ich habe noch viele Projekte, die ich im IPH zu Ende bringen will.“